Montag, 27. Juni 2016

B wie blau: Mein gestreifter "My Cuddle Me"


 Hallo Ihr Lieben!

Wenn es Ende des Jahres eine Gesamtstatistik zu 12 Letters of Handmade Fashion geben sollte, stehe ich wohl in einer Sparte ganz oben: Wer hat seinen Beitrag immer auf den letzten Drücker abgegeben? Jedes Mal wieder denke ich mir: Du hast zwar noch Zeit, aber fang dieses Mal zeitiger an. Dann steht dieses an, jener vor der Tür und ehe ich mich versehe, ist es schon wieder der 24. des Monats. Immerhin habe ich an diesem Datum meistens schon die Idee, was ich machen möchte. Aber mehr soundso oft auch nicht. 

Aber wenn ihr das hier lest, dann hat es diesen Monat mal wieder geklappt - auch wenn es wohl noch nie so knapp war. Im Juni sind wir zum Frühstück bei Emma eingeladen, um unsere Beiträge zum Buchstaben B zu präsentieren. Ein weiterer wunderbarer Blog, den ich bisher noch nicht kannte, aber in Zukunft öfter besuchen werde! Und Frühstück ist immer gut :).

Eigentlich hätte ich diesen Monat ja schon ein B gehabt: meine grünen Broken Seed Stitch Socks. Aber schon wieder Socken wie im W-Monat Januar? Und hatte ich mir nicht vorgenommen, öfter zu posten? Und die zweite Idee mit B hatte sich ja auch schon ergeben...

B wie blau! Als ich den Stoff bestellte, dachte ich eigentlich, er hätte marineblaue und weiße Streifen. Notiz an mich: Wenn ich müde bin, besser keinen Stoff bestellen, da hatte ich wohl einen Knick in der Optik. Denn die Streifen sind aus einem dunkleren Blau und einem hellblau. Nichtsdestotrotz war ich hellauf begeistert, als ich den wunderbaren Bio-Stoff in den Händen hielt: Er ist einfach soooo unglaublich weich! Das geplante Kleid wurde schnell über den Haufen geworfen, denn der hohe Kuschelfaktor verleitete mich zu etwas ganz anderem: einem Cardigan.

Wenn man nach einem Schnittmuster dafür sucht, stößt man schnell (und immer wieder) auf den My Cuddle Me von Schaumzucker. Diese runde Form hatte es mir recht schnell angetan, die langen Armbündchen erst auf den zweiten Blick, dafür immer mehr! Man kann aber auch kurze Armbündchen wählen. 


Dachte ich. Voller Begeisterung klebte ich das Schnittmuster zusammen, breitete den Stoff aus und stellte mir die Frage: Wie mache ich das eigentlich, dass die Streifen aufeinander treffen? Spätestens seit The Great British Sewing Bee, Cousu Main und Geschickt Eingefädelt weiß auch der Laie, dass das sein muss. Oh oh, sehr viel schwieriger als gedacht, wirklich an alle Verbindungen zu denken. Noch dazu kam, dass ich das Gefühl hatte, der Stoff würde sich heimlich bewegen, sobald ich mich umdrehte. 

Kurzerhand habe ich, wenn ich etwas im Bruch zugeschnitten habe, immer die beiden Stofflagen an ihren Streifen entlang zusammengeheftet, damit es auch ja symmetrisch wird. So viele Stecknadeln hatte ich noch nie verwendet. (Ich hätte ein Bild machen sollen...)

Tja, und so war es mehr Glück als Verstand, dass an den Seitennähten die Streifen fast aufeinandertrafen. Denn die hatte ich in beim Ausrichten vergessen, die waren wohl zunahe liegend. Aber immerhin: Die Ärmel passen! Yeah! :D

Auch beim Nähen stieß ich auf kleinere Probleme, die ich nie vollends lösen konnte. Alles ging damit los, dass meine Jersey-Nadel nicht in der Nähmaschine halten wollte. Wie bei einer alten Oma der Zahn fiel immer wieder die Nadel nach unten heraus, wenn ich los nähen wollte. Es war die gleiche Nadel wie bei meinem ersten Jersey-Versuch, da klappte alles wunderbar, deshalb verstehe ich nach wie vor nicht, wo das Problem liegt. Nach einigem Hin und Her nähte ich in meiner Verzweiflung mit der Universalnadel. Oh weh - böse Bine! 

Zwar hat es funktioniert, aber ich hatte doch tatsächlich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Stoff, denn ich hatte immer den Eindruck, ihn zu verletzen. Was wahrscheinlich sogar stimmt. Mit einer runden Spitze hätte ich dem gestrickten Gewebe wesentlich weniger Schaden und Löcher zugefügt.  Das muss ich demnächst noch einmal mit einem anderen Stoff in Ruhe ausprobieren, vielleicht finde ich ja das Warum und Wieso. 

Genäht habe ich natürlich mit einem dreifachen Zickzack-Stich, damit die Naht elastisch wird. Trotzdem kam ich dann zum nächsten Problem: Beim Annähen des Bündchens wellte sich die Naht leider. Auch das Bügeleisen konnte die Naht nicht überreden, sich doch bitte, bitte glatt hinzulegen... Daher fiel das zusätzliche absteppen der Naht weg, weil ich mich einfach nicht mehr getraut habe.


Tja, und dann gibt es noch die leider etwas verrutschte Kante bei der Seitennaht. Da trifft nämlich das Bündchen nicht ganz auf einander, obwohl ich es vorher ausgerichtet habe. Die Seitennaht habe ich zu allem Überfluss auch erstmal ganz, ganz krumm und schief genäht. Das konnte ich immerhin noch auftrennen, aber diese Kante am Bündchen? Grrrrrrr. 

Ihr seht, es ging viel schief. Das Ergebnis ist ausbaufähig. Perfekt ist was anderes. 

Jetzt kommt das große ABER, mit dem ich beim Nähen schon gar nicht mehr gerechnet habe: Ich liebe den Cardigan trotz all seiner (bzw. meiner) Fehler jetzt schon! Warum? Weil ich mich schwer getan habe, aber bis zum Ende gekämpft habe und ihn nun tatsächlich tragen kann. Es ist das erste Mal, dass ich Bündchen vernäht habe (ich musste erstmal googeln, wie das funktioniert). Und überhaupt, das erste Mal, dass ich einen Cardigan genäht habe, was mir zunächst Respekt eingeflößt, aber dann einen Riesenspaß gemacht hat. Ich habe gelernt, wie so ein Cardigan schnitttechnisch aufgebaut ist und mich an ein Muster herangetastet. 

Was will ich denn mehr? Es ist schließlich nur mein Hobby. Und so viel habe ich, wenn ich ehrlich bin, auch noch nicht genäht. Letztendlich bin ich sehr froh, diesen Schnitt ausprobiert zu haben und denke, dass er sicher noch weitere Verwendung findet....


A propos Schnitt: Den habe ich übrigens ein klein bisschen verändert (auch eine Premiere). Zwar nur minimal, aber auch das musste ich mich erstmal trauen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich lange Arme habe? Also, so richtig lang. So Gorilla-like. Aber der Rest von mir ist irgendwie zu kurz geraten... Um zum Punkt zu kommen: Ich habe die Ärmel verlängert, weil die bei gekauften Teilen immer weit vor den Handgelenken enden. 

Im Nachhinein wäre das vielleicht nicht nötig gewesen, denn die langen Bündchen wurden dann etwas gekürzt. Ob das jetzt insgesamt einen Unterschied macht? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht, aber das wird beim nächsten Oberteil mal genauer ausgetüftelt. 

Die Bilder hat meine liebe Mitbewohnerin gemacht (vielen herzlichen Dank, meine Liebe!), aber ich bin immer so schrecklich nervös vor der Kamera und zappel etwas... Verzeiht also die Unschärfe!

Ihr Lieben, hättet ihr noch Tipps für mich? Wie ich meine Unzulänglichkeiten, wie z.B. die gewellte Naht,  verbessern kann? Wie ihr eure Jersey-Stoffe mit der normalen Nähmaschine näht? Sollte ich mal eine Zwillingsnadel ausprobieren? Ich bin wirklich für jeden Tipp dankbar!

Ich wünsche noch einen schönen Abend und freue mich wie immer schon jetzt auf die Galerie am Letzten des Monats! Liebe Emma, vielen lieben Dank schon einmal im Voraus!
Außerdem bin ich diesen Monat dank dem wunderbaren Ringelstoff zum insgesamt zweiten Mal bei der Bio-Linkparty von Keko-Kreativ dabei, ich freu mich!  

Habt eine schöne Zeit und bis bald!
Eure Bine

Stoff: C.Pauli Bio Interlock "india ink/cloud blue" mit passendem Bündchen in "cloud blue" via Eulenmeisterei
Schnittmuster: My Cuddle Me von schaumzucker


Dienstag, 14. Juni 2016

Drachenfüße oder: Socken mit Broken Seed Stitch Muster



Hallo Ihr Lieben, 

heute gibt es mal wieder etwas Gestricktes. Ja, die kalten Tage liegen zwar jetzt hoffentlich hinter uns, aber abends kühlt es doch noch ab. Wenn man trotzdem auf dem Balkon sitzen bleiben möchte, nützt nur eins: Jäckchen und Stricksocken, die für wohlige Wärme sorgen!

Schon vor längerem habe mir die grüne Wolle gekauft, ich liebe diese Farbe einfach! Aber um sie einzeln zu verstricken, war sie mir dann doch etwas zu knallig... Und so lag sie erst einmal eine Weile herum und andere Sachen hatten Vorrang, wie z.B. meine Socken mit Zopfbandspitze oder, oder, oder ... 

Bis ich dann in einem französischen Youtube-Podcast auf die Broken Seed Stitch Socks stieß. Das Muster, das dort mit einem blauen Verlaufsgarn gestrickt wurde, gefiel mir auf Anhieb und erinnerte mich so ein bisschen an Drachenhaut. Und das Beste ist, dass die Anleitung von Hanna Leväniemi kostenlos und in deutscher Sprache auf Ravelry zu finden ist.

Kennt ihr Ravelry schon? Das ist eine kostenlose Plattform für Häkel-und Strickbegeisterte aus den USA, die sich dort austauschen und inspirieren lassen können, zusätzlich kann man auch direkt dort Anleitungen kaufen (meist per PayPal). Zwar bin ich schon länger dort angemeldet, freunde mich aber erst so langsam mit dem Netzwerk an, deshalb ist es noch recht leer bei mir. Wer mich dort trotzdem mal besuchen möchte, bitte hier entlang :-).


Aber zurück zu den Socken. Das Muster hat wirklich einen grandiosen Effekt, vor allem, wenn man bedenkt, dass es eigentlich nur rechte und linke Machen sind. Neu war dabei für mich das Stricken mit zwei Garnen, immer schön abwechselnd eine Reihe grün, eine Reihe weiß. Aber schwer ist das eigentlich auch nicht.

Nach dem weißen Bündchen habe ich noch eine Runde glatt rechts gestrickt, dann habe ich mit dem grünen Garn begonnen. Nachdem ich damit eine Runde gestrickt habe, wurde direkt wieder zu weiß gewechselt. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass man beim Wechsel am besten die beiden Fäden verkreuzt, wahrscheinlich für einen schöneren und stabileren Übergang.


Dazu habe ich den grünen Faden, mit dem ich gerade die Runde abgeschlossen habe, nach links gelegt und den weißen Faden von unten nach oben geführt, sodass quasi ein Kreuz entsteht, bei dem das weiße Garn obenauf liegt, wenn man die Rückseite betrachtet. Bei der nächsten Runde, die ich in weiß gestrickt habe, habe ich dann natürlich das weiße Garn nach links geführt und grün lag obenauf. Puh, ich hoffe, ihr wisst, was ich sagen will? Wahrscheinlich ist das eh allen klar, nur ich habe mir beim Stricken mal wieder komische Fragen gestellt... Aber ich dachte, ich schreibe das vorsichtshalber mal mit auf.

Zum Muster werde ich nichts weiter sagen, denn das gibt es ja auf Ravelry und die Anleitung ist wirklich super verständlich. Es ist allerdings keine ganze Anleitung für Socken, sondern lediglich das Muster. Wer Socken stricken lernen möchte, sollte nach einer Basis-Anleitung Ausschau halten oder die Oma fragen ;-).

Bei der Ferse habe ich zum zweiten Mal eine Bumerang-Ferse gestrickt, wieder in weiß wie das Bündchen. Das hat mit dem Farbwechsel ganz gut gepasst, hier habe ich das grüne Garn erst einmal abgeschnitten. Um  einen dicken weißen Streifen in der Biegung der Socke zu vermeiden, habe ich nach der ersten Fersenhälfte nicht zwei Runden glatt rechts wie üblich gestrickt, sondern nur eine und dann direkt die zweite Fersenhälfte gearbeitet. Und schon kam wieder das Muster, wozu ich das grüne Garn wieder aufgenommen habe. Die Bandspitze habe ich dann wieder komplett in weiß gearbeitet, so hatte ich bei den Abnahmen kein Problem mit dem Muster.

Wie immer habe ich die Socke mit dem Maschenstich verschlossen und zu guter Letzt die Fäden vernäht. Bis ich aber von der letzten gestrickten Masche zum Vernähen kam, vergingen gut drei Wochen. Irgendwie konnte ich mich nicht ganz aufraffen. Aber jetzt freue ich mich sehr, dass sie fertig sind und mir fortan die Füße wärmen können. Hach, wie schön ist es, unfertige Dinge endlich zu beenden. Dann hat man endlich wieder den Kopf (und die Stricknadeln) frei für neue Dinge.

Und da heute Dienstag ist, mache ich heute zum ersten Mal mit bei Handmade on Tuesday! Endlich mal geschafft! Diese wöchentliche  Linkparty ist immer wieder eine großartige Quelle der Inspiration, schaut doch auch mal vorbei (falls ihr HoT noch nicht kennt)!

Ich wünsche euch einen wunderbaren Tag und lasst euch nicht vom Wetter ärgern!

Eure Bine


Strickanleitung: Broken Seed Stitch Socks von Hanna Leväniemi (kostenlos auf Ravelry)
Strickgarn:
grün: Opal for Ladies & Gentlemen, Lebendiges Grün
weiß: Wolle Rödel Sport-und Strumpfwolle Classic 4fach, weiß


Mittwoch, 25. Mai 2016

O wie Organic Cotton: Meine Alva


Hallo Ihr Lieben!

Habt ihr gut in den Mai rein gefunden? Und die ersten Sonnenstrahlen so richtig genossen? Mit Eis und allem was dazugehört? Sehr gut! Dann kann es ja losgehen :-).
Ich habe meine Zeit nicht nur mit Eisessen verbracht, sondern getreu dem Motto "Alles neu macht der Mai" hier und da ein bisschen das Bloglayout verändert (weg vom ganz rudimentären Design). Ich hoffe, es gefällt euch?

Aber hier bin ich wieder, pünktlich zum O der 12 Letters of Handmade Fashion-Aktion. Diesen Monat sind wir bei Koko von Golden Cage zu Gast, die am Ersten des Monats unseren Buchstaben zog, zu welchem wir dann thematisch passend eigenhändig Kleidung und Accessoires fertigen. 

Mein O war eigentlich schon als A im März geplant, aber das habe ich leider nicht geschafft. A wie Alvas Täschle sollte es werden, denn ich wollte eine neue Tasche, die mich in die Uni begleitet. Warum das O jetzt trotzdem passt? 

Auf der Suche nach dem perfekten Stoff für Alva habe ich nicht nur alle Stoffläden der Umgebung durchwühlt, sondern auch das komplette Internet abgegrast. Bis ich dann dieses Träumchen entdeckt habe - plus die passenden Kombistoffe. Mein Herz schlug höher... Der war es - und kein anderer!


Die Stoffe stammen allesamt aus dem Hause Cloud 9 Fabrics. Wer diesen Namen kennt, weiß, wofür er steht: O wie Organic Cotton. Die Firma verwendet ausschließlich Bio-Baumwolle und umweltfreundliche Färbe- und Drucktechniken und ist deshalb auch GOTS-zertifiziert.

Als ich dann endlich alle Zutaten (inklusive passendem Garn, Schrägband und Schnappverschluss) zusammen hatte, las ich zunächst die Anleitung. Hach, bin ich brav, ne? ;-) Und dann stand dort Folgendes: "Etwas Näherfahrung ist von Vorteil!!!" 

Etwas Näherfahrung und tatsächlich drei Ausrufezeichen. Irgendwie hat mir diese Warnung ziemlichen Respekt eingeflößt, denn meine Taschen-Näherfahrung beschränkt sich auf eine einzige Susie von Pattydoo. Reißverschlüsse habe ich auch erst insgesamt zwei eingenäht... Schrägband? Bis auf den ersten Versuch bei den Topflappen, mit dem ich noch nicht wirklich zufrieden war - noch nie.

Bin ich also wahnsinnig? Vielleicht. Weil dann nähe ich auch noch mit diesem viel zu tollen Stoffschätzchen. Ohne Probestück. 

Zunächst ging es jedoch erst mal mit dem Zuschneiden los. Gefühlt waren es tausend Teile, denn die Tasche ist komplett mit Vlies bzw. Schabrackeneinlage verstärkt und hat nicht nur eine Innentasche. Dann kam die große Vlies-Aufbügelaktion mit dem Uralt-Bügeleisen ohne Hitze-Skala von meinem Freund, was er von seiner Oma geerbt hat... Aber auch diese Hürde habe ich gemeistert, irgendwann hielt das Vlies dann doch :-).

Weil ich eben auf einmal so viel Respekt vor dem Nähen hatte, habe ich wirklich akribisch genau die einzelnen Schritte im Ebook befolgt. Und bei Stellen, an denen ich mir unsicher war, lieber noch einmal gegoogelt und ein Youtube-Video geguckt. Sehr hilfreich war mir da vor allem Inas Video zum Thema "Gerade Kanten an Stoffrundungen nähen". Aber ganz ehrlich: Das Ebook ließ wenig Fragen offen, ich wollte nur immer ganz, ganz sicher sein.

Und so war das Nähen dann auch nicht mehr so problematisch. Klar, problemlos lief es auch nicht. Die Tasche hat viele Rundungen, da musste ich mich erst mal daran gewöhnen. Mit Vlies und Schabrackeneinlage hatte ich auch noch nicht genäht - das war aber letzten Endes kein Problem.


Meine Innentasche war dann irgendwann fertig (ja, es dauerte etwas, ich habe immer etappenweise genäht), dann ging es an die Außentasche, an der mir dann plötzlich etwas auffiel: Mein Muster lag zwar 1A-symmetrisch und war mittig ausgerichtet, doch um Stoff zu sparen, hatte ich es beim Zuschnitt noch in ein Eckchen gepresst. Dabei habe ich wohl das Schnittteil ohne Nachzudenken umgedreht und das Muster auf dem Kopf stehend zugeschnitten. Tja, das mit dem Sparversuch ging nach hinten los, aber es war jetzt auch kein unlösbares Problem, da ich noch Stoff übrig hatte. Puh.

Schwieriger für mich war bei der Außentasche die Sache mit dem Schrägband. Das habe ich zwischendurch verflucht, denn das musste an einige Rundungen angebracht werden... Hatte ich ja bisher kaum bei einer geraden Naht hinbekommen. Da halfen nur Geduld und der Nahttrenner. Es sitzt auch immer noch nicht ganz perfekt, hier und da blitzt eine Naht auf, aber hey - im Vergleich zum ersten verzweifelten Versuch... :-)

Was mir aber immer Rückhalt bot, war die Anleitung selbst. Durch das schrittweise Vorgehen und die vielen Bilder hatte ich nie das Gefühl, ganz verloren zu sein, sondern konnte gut nachvollziehen, wohin der Weg führt - und wie die Tasche konstruiert ist.

Trotz meiner vielen "ersten Male" (Schrägband, Vlies, Schabrackeneinlage, Innentasche mit Reißverschluss einnähen, Schnappverschluss, gerade Kanten an Rundungen nähen) bin ich sehr, sehr glücklich mit meiner Alva. Es hat zwar gedauert, aber jetzt ist sie fertig. Und gelernt habe ich viel. Und ist das nicht eigentlich das Wesentliche?


Ihr Lieben, wollt ihr mir verraten, bei welchem Schnitt ihr bisher am meisten gelernt habt? Oder bei welchem Schnitt vor allem wir Anfänger wichtige Techniken lernen und verbessern können? Das würde mich wirklich wahnsinnig interessieren!

So, dann freue ich mich wie immer auf das Monatsfinale von unseren 12 Letters of Handmade Fashion! Ich bin schon sehr gespannt, was so alles gezaubert wurde! Und da ich ja Bio-Baumwolle vernäht habe, hüpfe ich auch noch bei der Linkparty von Kerstin alias
Keko Kreativ vorbei, bei der jeden Monat wunderschöne Werke aus Bio-Stoffen gezeigt werden können. Ich freue mich, heute zum ersten Mal dabei sein zu dürfen!

Ich wünsche euch eine schöne Zeit!
Eure Bine

Schnitt: Alvas Täschle von Tante Anton via Alles für Selbermacher
Stoffe: Cloud 9 Fabrics via Frieke fabrics

Mittwoch, 27. April 2016

Oh, ein Z! Mein Z wie Zipper-Armband


Hallo Ihr Lieben, 

endlich kann ich euch mal wieder etwas Kreatives meinerseits zeigen. Und das war eine schwere Geburt. Denn am 1. April zog Fredi von Seemannsgarn ja das Z bei der 12 Letters of Handmade-Fashion-Aktion

Immerhin kein Y, aber einfallen wollte mir trotzdem nichts. Zebra und Zitronen waren die einzigen Dinge, die mir in den Sinn kamen, aber ich wollte doch nach dem verpassten A im März (trotz Idee) wieder unbedingt mit von der Partie sein. 

Dann fing die Uni auch wieder an, alles wurde hektisch und stressig und ich brauchte so langsam eine Lösung. Aber da war auf einmal dieses Wort: Zipper. Eigentlich bin ich ja sprachlich gesehen eher auf Französisch unterwegs, aber dieses kleine englische Wort sollte mir behilflich sein...  

Aber wie kann ich den guten, alten Reißverschluss richtig in Szene setzen, überlegte ich und stolperte auf meiner Suche nach originellen Schnittmustern oder Taschen über ein Video auf Pinterest, auf dem eine Blume aus Metallreißverschlüßen geformt wurde. Das war es! Ich sammelte ein ganzes Board an Reißverschluss-Kunst  (falls ihr mal gucken wollt: hier), dabei hatten es mir vor allem viele atemberaubende Statement-Ketten angetan. Ausgerechnet ich, die normalerweise keinen Schmuck trägt...

Als ich das dann unbedingt ausprobieren wollte und ich keinen passenden Reißverschluss zur Hand hatte, musste meine geliebte alte Jacke dran glauben. Im letzten Herbst stellte ich fest, dass das Innenfutter sich so langsam auflöste und der Zipper funktionierte immer seltener. Also wanderte sie auf den Stapel "aussortiert" - aber wurde nicht weggeworfen. Ganz konnte ich mich wohl noch nicht trennen, aber mit dieser Idee war es dann soweit:


Hiermit präsentiere ich also mein erstes Upcycling-Projekt: Mein Z wie Zipper-Armband :-). Noch dazu geht es blitzschnell und ist super einfach!

Man nehme: 
  • einen längeren Metallreißverschluss
  • einen passenden Schmuckverschluss - ich habe einen 10 mm Klemmverschluss verwendet (gibt es z.B. hier)
  • ein Feuerzeug
  • eine Zange
  • eine Schere
Zunächst habe ich den Reißverschluss aus der Jacke herausgetrennt und die Enden abgeschnitten, damit ich den Schlitten wegnehmen konnte. Und da es ja ein teilbarer Reißverschluss ist, hatte ich nun die zwei Teile einzeln vor mir liegen. 
Die Stoffkanten habe ich dann bis nahe an die Zähnchen zurückgestutzt und mit dem Feuerzeug "versiegelt". Vorsicht, die Flamme nicht zu lange auf eine Stelle gerichtet halten! Das Ding kann tatsächlich brennen - ich es aber zum Glück ganz schnell auspusten... :).

Dann habe ich meinen Knoten in die Mitte meiner zwei Reißverschlussbänder geschlungen und sie, von der Mitte des Knotens ausgehend, beidseitig auf meinen Armumfang gekürzt. Die abgeschnittenen Enden habe ich nochmal mit dem Feuerzeug angekokelt und dann mithilfe der Zange in den Klemmverschluss gezwickt. Fertig!

Und so sieht es dann aus: 


Auf diesem Bild kann man glaube ich ganz gut erkennen, wie der Knoten verläuft. 


Und auch getragen will ich euch mein neues Schmuckstück nicht vorenthalten:


Dieses erste Upcycling-Projekt hat mich total begeistert: ein Accessoire, dass die Liebe zum Nähen zeigt, gut aussieht und ratzfatz fertig ist. Normalerweise brauche ich für Genähtes immer super lange, da tat es mal ganz gut, schnell etwas gebacken zu bekommen. Und zumindest dieser Teil meiner ehemaligen Lieblingsjacke ist jetzt wieder ausgehfein und erinnert mich an acht gemeinsame Jahre...

Mich würde interessieren: Was habt ihr bisher so "upgecycelt"? Hebt ihr alte Klamotten auch auf, um sie umzunähen oder "auszunehmen"?
Ich freue mich auf eure Meinungen und Erfahrungen! 

Habt einen wunderbaren Mittwoch und wir sehen uns am Samstag bei Fredi!

Eure Bine

Sonntag, 10. April 2016

Träumereien: Was ich mir so vorstelle


Ja, im März war hier nicht viel los... Zugegebenermaßen gar nichts, aber manchmal ist das Leben nun mal das Leben und lässt einen nicht so, wie man es gerne hätte. Bei mir lag es gerade an der Uni und nochmal an der Uni, an meinem Sport und der Arbeit, eher weniger an der Motivation. 

Leider habe ich dadurch den März-Buchstaben A beim großen Sew-Along 12 Letters of Handmade Fashion verpasst. Aber seht euch doch hier einmal die März-Galerie bei Jenny an, es sind wieder so wunderbare Stücke kreiert worden! Mir macht die Aktion furchtbar viel Spaß, verknüpft sie doch meine Liebe zu Handarbeiten (moderner gesagt: DIY) und zu Buchstaben, Worten und Sprachen. Ich hätte ja sogar eine Idee gehabt, das Schnittmuster und den Stoff ebenfalls... Aber nun ja, wie der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand so schön sagte: "Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt."

Und Idee und Stoff sind ja schon mal vorhanden, jetzt muss ich mir nur die Zeit nehmen (und noch einen Reißverschluss kaufen), um die Tasche zu nähen. Noch dazu liegt ein weiteres unvollendetes Projekt im Wohnzimmer, das nur auf den letzten Stich wartet. 
Und meine Stricknadeln standen auch nicht still! Also, keine Sorge, hier geht es bald weiter :-). 

So, und da ja jetzt schon April ist, muss ich mir dringend etwas für den neuen Buchstaben Z einfallen lassen, den Fredi von Seemannsgarn am Monatsersten gezogen hat - und nein, das war kein Aprilscherz! Leider, denn mir fällt nichts ein. Gar nichts... Vielleicht sollte ich einfach mal in den Duden gucken ;-). 
Aber ein bisschen Zeit habe ich ja noch, auch wenn ich diesmal nicht mehr auf den letzten Drücker abliefern möchte, wie es bei meinem Kimono-Tee war. Also ran an die Nadeln, fertig, los! 

Ich drücke euch ganz fest und wünsche euch einen wunderbaren Start in den Frühling!

Eure Bine

Samstag, 27. Februar 2016

J wie Jersey-Erstlingswerk: Das Kimono Tee


Hallo ihr Lieben,

wusstet ihr schon? Auf das W folgt das J.
Zumindest im 12 Letters of Handmade Fashion-Alphabet, denn am 1. Februar zog Laura vom Blog Tagträumerin als zweite Gastgeberin der großen DIY-Aktion das J.

J wie Jacke? Ich will noch einen Cardigan stricken, von dem ich schon sooooo lange träume, aber in einem Monat? Ist wohl zu groß, diese Aufgabe.
J wie Jeans? Mein aussortierter Jeansstapel ist noch in irgendeinem Umzugskarton.... Und selbst eine nähen? Davon sind meine Nähfertigkeiten und ich noch weit entfernt.

J wie ... Jersey. Der Angstgegner. Noch nie gemacht. Soll ich? Soll ich nicht? Für dieses Jahr habe ich mir ja vorgenommen, mutiger zu sein... und habe mir prompt Jersey-Nadeln für die Nähmaschine zugelegt und ein bisschen Stoff bestellt.

Der Schnitt war schnell gefunden: Seit laaaaaaaaaaanger Zeit bewundere ich die vielen verschiedenen Kimono Tees, v.a. die von Fredi, die ja so gar eine Linkparty dazu veranstaltet hatte. Wegen dieser Träumerei ("Eines Tages nähe ich mir auch so eins...") hatte ich den Schnitt von Maria Denmark schon und musste ihn nur noch ausdrucken, dann konnte es losgehen.

Tja, und dann passierte erst mal nichts, bis mir diese Woche auffiel, dass der Februar ja schon fast wieder herum ist.
Am Donnerstag fing ich dann endlich mal an: das Schnittmuster zusammenkleben und den Stoff zuschneiden. So weit, so gut.

Die Probleme fingen beim Nähen an: Jede Zickzack-Naht sah aus wie ... Kraut und Rüben. Ich habe alles ausprobiert, alle Fadenspannungen verändert, wieder ein Stück Probe genäht, geflucht, von vorne. Mit dem Ergebnis, dass ich um ein Uhr nachts total verzweifelt ins Bett gegangen bin und die Aktion eigentlich schon abgeschrieben hatte.

Am Freitag fuhr ich dann (weil es doch irgendwie funktionieren muss!!!) allerdings zu dem lieben Nähmaschinenhändler, der mir sie verkauft hatte. Herr Müller, Sie sind mein Held!! Grundsätzlich hatte ich nichts falsch gemacht, nur lag es am allzu weichen Stoff! Er half mir, die richtige Einstellung zu finden und ich konnte zuhause überglücklich loslegen.

Was sind das für Glücksgefühle, wenn eine schöne Naht entsteht!! Gut, dass kurzfristig meine Sportstunde abgesagt wurde, so hatte ich den ganzen Freitagabend Zeit, um mich dem Kimono Tee zu widmen.

Die Schulter-und Seitennähte gingen super fix, knifflig wurde es für mich erst beim Halsausschnitt, als es darum ging, einen Stoffstreifen gedehnt auf die Ausschnittkante zu nähen. Dazu habe ich mir zur Sicherheit noch dieses Video von Pattydoo angesehen und wieder an einem Reststück herumprobiert.

Und was soll ich sagen? Ich habe es hinbekommen!! Ich bin stolz wie Oskar! :-) Dann blieben nur noch die Säume, aber das geht ja wieder schnell, anprobieren und noch mehr freuen: Das Shirt passt!!!



Nie hätte ich gedacht, dass ich so etwas hinbekomme. Klar, ein paar Nähte könnten noch gerader sein, der Ausschnitt ein bisschen gleichmäßiger, aber das ist gerade überhaupt nicht wichtig! Viel wichtiger ist: Ich habe mich getraut und es hinbekommen.

Ich bin mir sicher, bald kommt noch ein Shirt, denn jetzt weiß ich, dass ich das kann. Dann kommt vielleicht ein Stoff, der ein bisschen spannender ist, mit Muster oder so :-).

Liebe Laura,
ich hoffe, ich bin noch nicht zu spät für die Galerie (heute ist ja Deadline...) und darf noch mit :-)

Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende!
Eure Bine

Schnitt: Kimono Tee von Maria Denmark (kostenlos, wenn man den Newsletter abonniert)
Stoff: Stoffmonster via DaWanda

Samstag, 13. Februar 2016

Ein bisschen Lissabon für Zuhause: Pastéis de Nata


Hallo Ihr Lieben, 

sehnt ihr euch auch nach Sonne? Dieses graue, nasse Schmuddelwetter mag ich langsam nicht mehr. Ich hätte am Liebsten entweder richtig kaltes Wetter und Schnee, der ein bisschen liegen bleibt, oder ein paar Sonnenstrahlen. 

Bis es soweit ist, muss ich mir wohl warme Gedanken machen und mir die Erinnerung an sonnige Stunden nach Hause holen. 
In Marcel Prousts Buch Auf der Suche nach der verlorenen Zeit waren es Madeleines, kleine französische Gebäckstücke, die schon verloren geglaubte Erinnerungen zurückbrachten. Bei mir sind es Pastéis de Nata

Bitte was? Das war die Reaktion meiner Freunde, die zu Kaffee und Kuchen gekommen waren. Aber wer schon einmal in Lissabon war, kennt sie sicher: die kleinen Blätterteigtörtchen mit einer Füllung aus Eigelb-Crème. 

Ich weiß nicht, wie viele Pastéis ich in meiner Zeit in Lissabon verputzt habe, aber ich sehe mich noch im exotisch begrünten und duftenden Innenhof der Fakultät in der Sonne sitzen, mit einem Buch, einer Bica (dem portugiesischen Espresso) und einem Pastel vor mir... Hach, da wird mir ganz warm ums Herz. 

Wen ich gerade verwirrt habe: ein Pastel, mehrere Pastéis - und das 's' in der Mitte wird übrigens als 'sch' gesprochen, was so ein bisschen diesen charakteristischen "Nuscheleffekt" ausmacht ;-). (Entschuldigt, ihr lieben Portugiesen! Ich finde eure Sprache wirklich wunderschön!)

Und weil ich gerade am Schlaumeiern bin, mache ich mit dem Unterschied zwischen Pastéis de Nata und Pastéis de Belém weiter. 'Nata' bedeutet Sahne, Belém steht für den Lissabonner Stadtteil. Nur die ganz echten, originalen, einzig und wahrhaftigen Törtchen dürfen Pastéis de Belém genannt werden. Und an die kommt nichts heran, denn das Rezept mit den exakten Mischungsverhältnissen, das ein Mönch des Hieronymusklosters zu Beginn des 19. Jahrhunderts an die nahe Zuckerraffinerie verkaufte, wird bis heute geheimgehalten.

Kein Wunder, dass die Touristen dort Schlange stehen! In meinen Träumen befinde ich mich gerade mitten in diesem Trubel, unter den tiefblauen Markisen des gekachelten Hauses und blinzele in die Sonne.

Bis es wieder soweit ist, hilft mir dieses Rezept für goldgelbe Pastéis de Nata, die Erinnerung an wohligwarme Sonnenstrahlen wieder hervorzuzaubern.
Das Einzige, was ich anders mache: Statt Tiefkühlblätterteig nehme ich zwei Packungen frischen Blätterteig aus dem Kühlregal. Das und die Füllung (Mengenangaben wie im Rezept) reichen dann bei mir für 24 Pastéis.

Gebacken habe ich sie ja schon mehrmals, aber fotografiert?  Gar nicht so leicht... Da muss ich mir auf Dauer wohl noch etwas einfallen lassen. Aber immerhin schmecken sie :-).
 
Ein wunderbares Wochenende mit viel Kuchen wünscht euch
eure Bine